BESUCHSBERICHT: COIMBRA VOR ORT
Kents Hill School, Maine
Augusta, die Hauptstadt des Bundesstaats Maine im nordöstlichsten Winkel der USA, ist gerade einmal rund 18.000 Einwohner groß und ist eigentlich eher ein beschaulicher Neuengland-Ort als eine Hauptstadt. Von dort aus sind es noch einmal etwa 20 Minuten durch die im Oktober rot-gelb leuchtenden Wälder, bis man nach Kents Hill kommt. Als Tourist würde man es allerdings vermutlich kaum bemerken, denn kaum hat man den Flecken erreicht, ist er auch schon am Autofenster vorbeigezogen.
Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass der Ort eigentlich nur aus der Kents Hill School und den Wohnhäusern einiger Lehrer und Verwaltungsmitarbeiter besteht. Und es zeigt sich auch: Schöner kann ein Internat in New England kaum liegen. Sollte mal jemand ein Postkartenmotiv für Internate im Nordosten der USA suchen, er käme an dieser Schule kaum vorbei.
Die Schule
Die Kents Hill School umfasst ein sehr weitläufiges Gelände. Sportanlagen, Unterrichtsräume, Administrationsbüros, Speisesaal und die Unterkünfte der Schüler sind jeweils in eigenen Gebäuden untergebracht, dazwischen liegen gepflegte Wege, einige schöne, alte Bäume und Grünflächen. Alles wirkt sehr gepflegt und freundlich. Die Schule gehört zu den ältesten, traditionsreichsten Internaten des Landes und so haben einige der Gebäude schon etwas Geschichte auf dem Buckel, was man ihnen aber innen ganz und gar nicht ansieht. Die Lage der Schule ist ruhig und sicher - das Internat stellt fast den ganzen Ort dar. Außerhalb des Schulgeländes gibt es noch einige Wohnhäuser, eine Poststelle und einen kleinen Laden. In der direkten Umgebung liegen sehr schöne Naturräume mit Bergen, Wäldern und mehreren Seen.
Der Besuch
Nach der Begrüßung in der großen, hellen und gut bestückten Mensa bekommen wir internationalen Internatsberater jeweils einen Schüler oder eine Schülerin zugeteilt, die uns über das Gelände führen und unsere Fragen beantworten sollen. Mich wird ein junger Mann aus Deutschland begleiten, einer von knapp 50 internationalen Schülerinnen und Schülern an der Kents Hill School. Beim Rundgang mit ihm ist immer wieder zu bemerken, dass scheinbar jeder, dem wir begegnen, seinen Namen kennt. Ich bekomme den Eindruck, dass dies hier eine Schulgemeinschaft ist, in der man sich schnell angekommen fühlen kann.
Der Rundgang zeigt daneben vor allem eines: Auf dem weitläufigen Gelände findet sich wirklich alles, was man von einem guten Internat erwarten darf. Es gibt eine eigene Eissporthalle, Tennisplätze und ausgedehnte Sportfelder. Alles wirkt sehr gepflegt und gut ausgestattet. In den Häusern mit den Unterkünften sehe ich Gemeinschaftsräume mit Fernseher und kleinen Küchen und ich entdecke den kleinen, von Schülern betriebenen Laden, in dem man sich einen Snack oder andere Kleinigkeiten beschaffen kann.
Das Highlight des Besuchs aber wartet gar nicht auf dem eigentlichen Schulgelände, sondern etwa 250 Meter entfernt. Dort hat die Kents Hill School ihr eigenes Alpinski-Zentrum errichtet. Man findet hier eine Abfahrt mit spektakulärem Blick (siehe Bild unten), einen Skilift, Schneeraupen und Schneekanonen. Geleitet wird das Ganze von einem professionellen Skitrainer. Das Gebäude, das im Stil einer Alpenhütte erbaut ist, bietet aber nicht nur Platz für Athleten. Es dient auch als Klassenraum, in dem die Schüler lernen können, wie man künstlichen Schnee herstellt und in dem Klima- und Wetterphänomene untersucht werden. Etwas Vergleichbares habe ich noch bei keiner anderen Schule gesehen.
Fazit
Für Sportbegeisterte sollte die Kents Hill School mit ihren vielen Möglichkeiten ohnehin weit oben auf dem Zettel stehen. Aber nicht nur das: Das Internat ist erkennbar eines, an dem man sich als internationaler Schüler schnell gut aufgehoben und zuhause fühlen wird. Der freundliche, warmherzige Umgang miteinander fällt immer wieder auf und es wird ganz deutlich, dass sich hier alle als Teil einer großen Gemeinschaft verstehen. Der nächste Supermarkt mag ein Stück entfernt liegen, aber die familiäre Atmosphäre und der Campus mit wirklich schöner Gestaltung und Umgebung sind Aspekte, wie man sie sich für ein Auslandsjahr in Amerika nur wünschen kann.